Die ARBÖ-Fahrsicherheit informiert: Wenn der Herbst ins Land zieht und die Temperaturen sinken, denken viele Autofahrerinnen und Autofahrer an den Reifenwechsel. Doch immer öfter stellt sich die Frage: Soll man weiterhin zwischen Sommer- und Winterreifen wechseln – oder sind moderne Ganzjahresreifen mittlerweile eine gleichwertige Alternative? Die Antwort hängt stark davon ab, wo man lebt und wie man fährt.
Von Daniel Lindinger, Chefinstruktor der ARBÖ-Fahrsicherheit:
Winterreifen sind speziell für kalte und winterliche Bedingungen entwickelt. Ihre weiche Gummimischung bleibt auch bei niedrigen Temperaturen elastisch, wodurch sie besonders auf Schnee, Eis und Schneematsch für guten Grip sorgen. Das tiefe Profil mit feinen Lamellen kann sich in die glatte Oberfläche „einkrallen“ und bietet dadurch spürbar mehr Kontrolle und Sicherheit. Beim Bremsen und Anfahren auf winterlichen Straßen sind Winterreifen klar im Vorteil. Wer also in Regionen unterwegs ist, in denen regelmäßig Schnee fällt oder Straßen oft vereist sind, sollte auf Winterreifen nicht verzichten. Sie bieten die bestmögliche Haftung und sind damit die sicherste Wahl für die kalte Jahreszeit.
Allerdings bringen Winterreifen auch gewisse Nachteile mit sich. Sie müssen im Frühjahr gewechselt werden, benötigen Lagerplatz und verschleißen bei warmem Wetter deutlich schneller. Dennoch sind sie überall dort unverzichtbar, wo der Winter regelmäßig seine Spuren hinterlässt – vor allem in ländlichen und höher gelegenen Gegenden.
Ganzjahresreifen – oder Allwetterreifen – sind dagegen eine bequeme Lösung für all jene, die sich den halbjährlichen Reifenwechsel sparen möchten. Sie kombinieren Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen und sind so ausgelegt, dass sie sowohl bei Kälte als auch bei Wärme brauchbare Fahreigenschaften bieten. Moderne Ganzjahresreifen tragen das Schneeflockensymbol und gelten damit auch gesetzlich als wintertauglich. Für Fahrerinnen und Fahrer in Städten oder in Regionen mit milden Wintern sind sie eine interessante Alternative.
Ganzjahresreifen haben den Vorteil, dass sie Kosten und Aufwand reduzieren. Man braucht nur einen Satz, spart sich das Einlagern und hat das ganze Jahr über passende Reifen montiert. Doch sie bleiben ein Kompromiss: Bei starkem Schneefall oder auf vereisten Straßen kommen sie nicht ganz an die Leistungsfähigkeit echter Winterreifen heran, und bei hohen Sommertemperaturen verschleißen sie etwas schneller. Wer also regelmäßig in schneereiche Gebiete fährt oder viel unterwegs ist, wird mit zwei Reifensätzen besser fahren. Entscheidend ist letztlich das individuelle Fahrverhalten.
• Wer in der Stadt lebt, kurze Strecken fährt und selten mit Schnee zu tun hat, kann mit Ganzjahresreifen sicher und bequem unterwegs sein.
• Wer auf dem Land oder in bergigen Regionen wohnt, sollte auf Winterreifen setzen.
• Vielfahrerinnen und Vielfahrer profitieren ebenfalls von getrennten Sommer- und Winterreifen, weil diese für die jeweiligen Bedingungen optimiert sind.
Unabhängig von der Reifenwahl gilt: Sicherheit beginnt beim Zustand des Reifens. Das Profil sollte ausreichend tief sein, die Reifen dürfen keine Risse oder Schäden aufweisen, und der Luftdruck sollte regelmäßig kontrolliert werden. Auch das Alter ist wichtig – mit der Zeit wird Gummi hart, und die Haftung lässt nach.
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht, denn beide Reifentypen haben ihre Stärken. Winterreifen bieten maximale Sicherheit bei Schnee und Eis, während Ganzjahresreifen in vielen Alltagssituationen eine komfortable und wirtschaftliche Alternative darstellen. Entscheidend ist, den Reifen zu wählen, der zum eigenen Fahrprofil und den Witterungsbedingungen der Region passt. Wer diese Faktoren berücksichtigt, ist in jedem Fall sicher unterwegs – egal, für welche Variante man sich entscheidet.
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