Im Alltag sind die E-Scooter bzw. -Roller ein fixer Bestandteil der Mobilität der Bevölkerung, man kennt sie vom Sehen oder aus der eigenen Nutzung. Mit dieser gehen auch Verhaltensregeln einher, aber nicht alle richten sich danach, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Im Herbst entstand in der Donaustadt aufgrund „rasenden Rollern“ eine Debatte darüber, was es braucht, um Risiken – für alle im Bezirk – einzudämmen.
Irgendwo in der Donaustadt, zu einem früheren Zeitpunkt: Der Autor dieser Zeilen lehnt an einer Hausmauer, auf einen Termin wartend. Auf einmal nimmt er hinter sich Lärm wahr. Er dreht sich um und sieht zwei große E-Roller mit jeweils zwei jüngeren Mädchen auf ihn zurasen. Die Passagierinnen kreischen, sie haben offensichtlich die Kontrolle verloren oder die Geschwindigkeit unterschätzt. Oder ihr eigenes Können überschätzt. Es kommt zu einem Zusammenprall, wobei der Erstgenannte unterm Strich nur relativ leicht gestreift wurde; während es die Mädchen auf den Beton schleudert, und auch gegen die geparkten Autos. Schnell rappeln sie sich auf, sichtlich noch benommen und unter Schock. „Alles in Ordnung?“, „Geht es euch gut?“ sind die Folgefragen, zwei Mädchen haben scheinbar nur Schrammen, die anderen beiden aber sichtbare Abschürfungen. Einem rinnt das Blut von der Stirn, eine große Beule bildet sich. Auf die Frage, ob man eine Rettung rufen soll, wiegeln sie schnell ab, bedanken sich für die gereichten Taschentücher, wischen sich das Blut behelfsmäßig ab, nehmen wieder die Roller und rasen davon. Der Schreck stand allen noch ins Gesicht geschrieben und so schnell, wie der Zusammenprall passierte, war er auch wieder vorbei. Der Autor blieb ratlos zurück. Und dachte sich: Bei mir ist es „egal“, aber wenn statt mir eine ältere Person oder ein Kind gerammt worden wäre; oder die Mädchen in einen fahrenden Verkehr gefallen wären….
Ja, was wäre dann gewesen? Jetzt sind die fahrbaren Untersätze in der Stadt nichts Neues. Seit zig Jahren bzw. mittlerweile Jahrzehnten sieht man sie im Alltag, junge wie ältere Generationen bedienen sich ihrer, um so schneller mobil zu sein und kurze Strecken durch eigene Muskelkraft zurückzulegen; den Rest besorgen die Rollen. Zu den herkömmlichen Scootern und Rollern gesellte sich durch immer neuere Modelle bald die Elektro-Version dazu, die vor allem durch seine Leihvarianten von unzähligen Anbietern nicht nur ein großes Angebot schuf, sondern auch viele Menschen damit beförderte – vom Gelegenheitsfahrer bis hin zu mobilen Essenslieferanten. Man erinnert sich durch die zahlreichen Auswüchse von sprichwörtlichen „Trittbrettfahrern“ wohl auch noch an viele herumliegende Roller, die mitunter den Weg versperrten oder achtlos in Grünflächen abgelegt wurde. Die Stadt Wien ging dagegen effizient vor und sorgte mit Richtlinien für entsprechende Verhaltenskodexe: Mehr Abstellflächen wurden errichtet, jeder Leih-E-Scooter wurde mit einem Nummernschild verifiziert und der „entsprechende Wildwuchs des unbegrenzten Zugangs der E-Scooter-Anbieter“ (Verkehrsstadträtin Ulli Sima im Herbst) eingedämmt. Marktbereinigungen sorgten für eine weitere Reduzierung der
Roller.
Was sich aber häufte: Rücksichtsloses Fahren in Wohnsiedlungen, mehrheitlich von Privatpersonen. Mit Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurden mit der Einführung der Helmpflicht (gilt ab 1. Mai) strengere Regeln für E-Mopeds und E-Scooter beschlossen. Und hier sind wir mitten im 22., wo die ÖVP Donaustadt die Stadt Wien aufforderte, Wohnhausanlagen als „Drossel-Gebiete“ oder gar „Sperrgebiete“ zu definieren, also die Geschwindigkeiten zu reduzieren oder die Roller gar außen vor zu lassen. Oft würden Spaziergänger oder Hundebesitzer gefährdet und Unfälle in Kauf genommen, so Gemeinderätin Caroline Hungerländer.
Die dbz fragte im Blatt vor einigen Wochen nach dem Stand der Dinge: VP-Parteikollegin und Klubobfrau Michaela Löff kritisiert „mangelnde Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung und wenig Einschätzung der Gefahren“ von rollenden Privatpersonen – E-Scooter/Roller hätten ihren Platz im Stadtbild, „aber in Wohnsiedlungen braucht es sichere Rahmenbedingungen“, um Kinder, ältere Menschen und Familien zu schützen. Für „strengere Regeln für E-Scooter, sowohl für Leihgeräte als auch für Privatnutzer“, sprach sich auch SP-Bezirksrat Wolfgang Aicher aus, zugleich Vorsitzender der Verkehrskommission – und verwies auf das 2023 gesetzte Maßnahmenpaket der Stadt Wien gegenüber Scooter-Anbietern. Im nächsten Schritt solle „auch private E-Scooter-Nutzung geregelt werden“. Solche Maßnahmen sind auch für Jing Hu, Bezirkssprecherin der Neos vonnöten, „die von der Bundesregierung verabschiedete Helmpflicht bis 16 Jahre setzt einen wichtigen Schritt, um alternative Mobilitätssysteme wie EScooter-Sharing auszubauen und die Sicherheit für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Gerade in einem Flächenbezirk wie der Donaustadt muss das alternative Mobilitätsangebot noch erweitert werden.“ Grünen-Klubobmann Wolfgang Orgler verwies auf Dänemark, wo eine Helmpflicht eingeführt wurde – die Anzahl der Unfälle aber nicht zurückging, aber sehr wohl die Nutzung von Sharing-Angeboten: „Die Helmpflicht ist eine reine Symbolpolitik, die nicht an den eigentlichen Problemen im Straßenverkehr ansetzt“, wichtiger wären „bessere Rahmenbedingungen durch Infrastruktur und Tempoanpassung.“ Einen neuen Vorschlag brachte in der dbz Werner Stepanowsky, Klubobmann der FPÖ in der Donaustadt auf den Tisch, eine Einführung einer Kennzeichenpflicht: „Wenn die Anonymität entfällt, werden sich mehr Nutzer an die Straßenverkehrsordnung halten. Eine solche Regelung sollte „natürlich auch für Fahrräder und insbesondere für E-Mopeds gelten.“
Klar ist: Die E-Scooter/Roller werden weiter populär bleiben, sie haben ihren Fixplatz in Sachen Mobilität in der Bevölkerung. Auch deutlich ist das Bewusstsein für die Risiken für andere – denn es existieren bereits zahlreiche Sperrzonen, wie etwa in Gemeindebauten oder Areale, wo man nur langsam fahren darf (dort, wo sich viele Menschen treffen). Auch der politische Zugang ist untereinander in dieser Causa ein recht zustimmender in eine Richtung, nämlich jene der Sicherheit. Ob das aber hilft? Denn allein schon getrieben vom jugendlichen Leichtsinn kann, siehe das Beispiel am Beginn des Artikels, extrem viel passieren. Noch im Herbst veröffentlichte das Kuratorium für Verkehrssicherheit Statistiken hierzu: Auf dem E-Bike sitzend, verwendeten 67% der Fahrerinnen und Fahrer einen Helm. Auf einem E-Scooter waren es gerade magere 10%.
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