Mit 26. Mai verabschiedet sich die alteingesessene Bücherei in der Bernoullistraße und wird geschlossen. Der Komplex, in dem sie sich befindet, wird komplett neu gebaut, ob es danach eine Rückkehr gibt, ist noch nicht gesichert. Somit erlebt man aktuell die vorerst sprichwörtlichen letzten Seiten einer langen Geschichte.
„Danke ja, Sie können noch Bücher zurückbringen, aber Sie wissen, wir schließen bald“, kündigt der freundliche Mitarbeiter in der Bücherei Bernoullistraße am Telefon einer nachfragenden Person an. Anfragen wie diese kommen derzeit täglich, dazu dünnen sich die Regale schön langsam sichtbar aus, viele Bestände übersiedeln in andere Filialen der Städtischen Büchereien. Neben dem (fast unscheinbaren) Eingang zur Bücherei steht ein Wagerl mit Medien, die aus dem Bestand ausgegliedert werden, alles zur freien Entnahme. Es ist eine eigentümliche Stimmung hier, mit spürbar viel Wehmut verbunden.
Auch, wenn es noch ein paar Wochen so weitergeht: Am 26. Mai ist (vorerst) Schluss, dann schließt die Bücherei endgültig ihre Pforten. Letzter Öffnungstag ist vier Tage vorher, am 22. Mai. Das Ganze ist nicht auf die mangelnde Nachfrage zurückzuführen, vielmehr wird der gesamte Gebäudekomplex, in dem sie sich befindet, abgerissen und neu gebaut. Ob die Bücherei hier wieder zurückkehren wird? „Leider ist aufgrund der Entwicklung des Gebiets während der Bauphase am Standort Bernoullistraße einfach kein Betrieb der Bücherei möglich. Laut Informationen der zuständigen MA 13 werden derzeit Planungen zur zukünftigen Entwicklung des Büchereistandorts in der Donaustadt unter Berücksichtigung der aktuellen budgetären Rahmenbedingungen weitergeführt“, erklärt Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy auf Anfrage der DBZ. Verwiesen wird indes von der MA 13 auf die nächstgelegenen Standorte in Kaisermühlen und in der Großfeldsiedlung, welche zwar im 21. Bezirk liegt, aber mit der U1 sehr rasch erreichbar ist.
„Selbstverständlich könnten es gerne auch noch mehr Büchereien in der Donaustadt geben – besonders wichtig sind aber auch Ausbau und Modernisierung, wie zuletzt von der Stadt Wien großartig mit der neuen Bücherei in der Seestadt umgesetzt“, so der Bezirksvorsteher. Somit bleibt – neben der genannten Zweigstelle in Aspern (Barbara-Prammer-Allee 11) im Bezirk nur mehr jene in Kaisermühlen (Schüttaustraße 39). Oder das Ausweichen in andere Bezirke – eine vollständige Liste findet sich unter: https://buechereien.wien.gv.at
Fotos: dbz







