Im Herbst fand in der Donaustadt Österreichs größtes Turnier im historischen Fechten statt, das HEMA-Turnier „Vindobona Bosch“. Diese Art des Fechtens zeichnet sich durch ihre eigene historische Aufmachung aus und lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Erlernen kann es grundsätzlich jede und jeder, der Interesse und Begeisterung dafür mitbringt.
Wer sich abseits der großen, populären Sportarten auch mit weniger bekannten Disziplinen beschäftigt, der hat vielleicht schon einmal von „HEMA“ gehört. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die Bezeichnung „Historical European Matrial Arts“, also Historisches Fechten. Dieses wirkt auf den ersten Blick wie das Sportfechten, das man etwa von Olympischen Bewerben kennt. Aber es ist doch ein wenig anders, denn hier verbindet man historische Aufarbeitung und Rekonstruktion europäischer Kampfkünste mit dem Sport. Ist es überhaupt ein solcher? „Ja, denn auch hier geht es um Wettkämpfe, Disziplin und das Erlernen von Techniken“, klärt Kampfleiter Marco Puschmann auf. Im Fokus stehen die Kampftechniken auf der Basis von historischen Quellentexten und schließlich die gekonnte Anwendung in Freikämpfen und Turnieren. Und so gibt es auch hier eine Vielzahl von verschiedenen Disziplinen, eben fast alles, was im Laufe der Jahrhunderte in Europa zu Hieb- und Stichwaffen sowie der Selbstverteidigung gelehrt wurde.
Zu sehen bekam man das Können der Teilnehmer und Teilnehmerinnen (11 Frauen) vor einigen Wochen in der Donaustadt, wo man sich zu Österreichs größtem Turnier im Historischen (Langschwert-) Fechten traf. Der große Unterschied zum gewöhnlichen Fechtsport? Im olympischen Fechten steht der präzise, elektronische Treffer mit Florett, Degen oder Säbel im Mittelpunkt. Beim Historischen Fechten hingegen orientiert man sich stärker am traditionellen Duell-Charakter. Beide Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele und setzen daher eigene Schwerpunkte, so Kampfleiter Puschmann. Von diesem Ansatz waren auch Geschichtsbegeisterte fasziniert, die daraus vor rund 30 Jahren eine eigene Sportart formten.
Eine, die zwar noch eher ein Nischendasein führt, „aber gerade im Zeitalter der Digitalisierung gewachsen ist und ihr Publikum gefunden hat“. Und dieses wächst weiter, ebenso wie der Zuspruch: In Wien gibt es zahlreiche Vereine für Historisches Fechten. Beginnen kann man bereits ab etwa 10 Jahren (mit Softschwertern), üblich ist der Einstieg jedoch eher mit 16 bis 18 Jahren. „„Grundsätzlich kann jede und jeder mit Historischem Fechten beginnen – der Sport lässt sich gut an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anpassen. Für Turniere braucht es jedoch eine gewisse körperliche Widerstandsfähigkeit, da der gesamte Körper intensiver gefordert wird“, erklärt Puschmann. In offenen Bewerben gibt es keine Leistungsstufen; man entscheidet selbst, wann man bereit ist, auf ein Turnier zu gehen. Aber das nötige Rüstzeug, also die passende Ausrüstung, die solle man unbedingt mitnehmen. Die jeweiligen Vereine klären dazu auf, was es braucht „und es gibt entsprechende Sicherheitsstandards, damit niemand zu Schaden kommt.“ Ein tiefer gehendes historisches Fachwissen benötigt man für das Ausüben von historischem Fechten übrigens nicht zwingend. Aber eben Engagement, Ausdauer und Koordination – was von Jung bis Alt (es gibt auch ein Seniorentraining im Angebot) jederzeit gelernt werden kann.
Weitere Infos unter: www.historischesfechten.at bzw. https://equinox-vienna.at
Fotos: Ing. André Hobiger.







