Wenn Herbert Sobotka einmal los startet und zu erzählen beginnt, gibt es kein Halten mehr – der rüstige Tausendsassa hat viel zu berichten, weil er viel erlebt hat und noch viel vor ihm liegt. Das war schon immer so und wird hoffentlich noch lange so sein, denn dem bald 85-jährigen Donaustädter Original liegt das Kulturleben und das Zusammenkommen im Bezirk am Herzen. Seine ganze Leidenschaft packt er seit jeher in die diversen Großprojekte – wie die Bühne Donaupark.
„Setzt’s euch hin, was wollt ihr wissen“, begrüßt uns der gastfreundliche Herbert Sobotka in sein umfunktioniertes Büro, das nahtlos übergeht in die privaten Räumlichkeiten. Die Eingangsfrage beantwortet der umtriebige und scheinbar rastlose Organisator fast von selbst – und erzählt der dbz im Gespräch über sich, die Entwicklung im 22. Bezirk und das Leben allgemein. Fast wie ein Augenblick streicht die Zeit vorbei und an Geschichten und Anekdoten, die Sobotka frei von der Leber weg zum Besten gibt, mangelt es nicht. Zuviel hat der Mann schon erlebt in seiner jahrzehntelangen Berufslaufbahn, es sprudelt nur so aus ihm heraus. Dann fällt der Blick auf das Büchlein, das vor uns auf dem Tisch liegt, der Titel lautet: „35 Jahre Kulturverein Donaustadt“. Das war 2015. Seither sind wieder zehn Jahre vergangen. Zeit für neue Jubiläen, die es zu feiern gibt – wie 20 Jahre Bühne Donaupark, das ebenfalls heuer, im Sommer, begangen wird. Oder auch: Sobotkas 85. Geburtstag im August. „Zehn Jahre mach ich’s noch weiter und dann was anderes“, lacht er über sein sich selbst auferlegtes Motto, nach dem er sich immer dem nächsten Projekt gewidmet hat. Nach dem großen Zuspruch und den Entwicklungen über die Jahrzehnte hinweg liegt zu viel Leidenschaft und Liebe in seinen Events, als dass man einfach aufhören würde.
Seit seinem 6. Lebensjahr hat Herbert Sobotka Musik gemacht, kindlich zuerst und später Gesang studiert, aber immer diesen Weg weiterverfolgt. Er eröffnete einen Bastlerbetrieb in der Donaustadt, engagierte sich, initiierte mit seinen Gefährten den „Kulturverein Donaustadt“ und blickte sich in einer Umgebung um: „Damals gab es hier nichts, das war hier eine Kulturwüste. Acht Dörfer, die irgendwie zusammengehörten. Wenn man ein Konzert sehen wollte, musste man in die Stadt fahren. Und wenn wir einen Kabarettisten engagieren wollten für einen Auftritt im Bezirk, hieß es oft: ‚Nein, über die Donau gehen wir nicht drüber‘.“ Die Bezirksverantwortlichen kamen auf ihn zu, man beratschlagte sich, „wie man die Situation verbessern kann.“ Erste Bausteine und quasi Bühnenbretter, die den weiteren Verlauf ebnen sollten, wurden die Übernahme des ehemaligen Kinos Zentrum 22 samt Umwandlung und der heutige Kabarett-Treff Orpheum. Der Kulturverein mit Sobotka probierte hier viel, bekam aber zunächst nicht die erhoffte Wertschätzung und finanziell war es auch nicht einfach, gerade mal die Grundkosten konnte man abdecken: „Acht Jahre haben wir uns durchgekämpft, aber unser Antrieb war immer: Jetzt zeigen wir allen, wie man Kultur macht.“ Schließlich sollte diese nicht allein nur der (Innen-) Stadt von Wien vorbehalten sein, sondern eben auch in Außenbezirken wie der Donaustadt möglich gemacht werden.
Egal, welche Veranstaltung – das Meiste war nie ein Selbstläufer, vieles verbreiterte sich erst über die Jahre durch Mundpropaganda. Immer mehr Leute wurden aufmerksam und durch den Bau der entsprechenden U-Bahnstationen wuchs auch die Ansiedelung im Bezirk. Und damit das Interesse der Menschen an den Events, die heute zum festen und liebgewonnenen, kulturellen Inventar gehören. Wie auch der Adventmarkt in Hirschstetten, der ebenfalls vom Kulturverein kuratiert und organisiert wird. Und eben auch die Bühne Donaupark (über diese berichten wir im Blattinneren gesondert): Vom damaligen Bezirksvorsteher Franz Karl-Effenberg 2005 errichtet, angesetzt an der bereits bestehenden, aber baufälligen Seebühne. Jetzt brauchte man nur noch einen Betreiber und auch hier sprang der Kulturverein ein – und fast zeitgleich, von Beginn weg, auch Peter Rapp. Der unvergessliche Entertainer, der im heurigen Frühjahr verstarb, war ein guter Freund von Sobotka: „Er sagte in Bezug auf die Bühne Donaupark zu mir: ‚Ich versprech‘ dir – solang du das machst, unterstütz’ ich dich.“ Und Rapp hielt Wort, moderierte die jeweiligen Programme und wurde so in einer Zeit, als man noch viel analoges Fernsehen schaute, zum Zugpferd: „Es hat sicher sehr mitgeholfen, dass sich das Ganze so entwickelt hat“, denkt Sobotka lächelnd zurück: „Am Anfang kamen bis zu 150 Leute und fragten sich, was wir da für einen Lärm machen. Und im vergangenen Sommer hatten wir an die 45.000 Besucher über die vier Wochenenden hinweg.“ Herbert Sobotka wird nicht langweilig: Ein Programm wie das heurige braucht ca. ein Jahr an Vorlaufzeit und während das aktuelle Spieljahr noch gar nicht begonnen hat, „arbeite ich jetzt schon wieder am Adventmarkt und Musik, mache die Verträge mit den Standln und schreibe die Rechnungen.“ Nur im September verordnet sich der Rastlose selbst Ruhe: „Da ist dann kurz Urlaub“, lacht er.
Infos: Hier finden Sie das gesamte Programm der heurigen Spielzeit, die am Samstag, 12. Juli startet!
Fotos: Karl Juris, dbz.







